Das Gedächtnis trainieren

Mehr als eine Art, um Informationen aufzunehmen und zu behalten!
Da sitzt man in einer Prüfung und kann sich einfach nicht erinnern, wie die richtige Antwort zur gestellten Frage ist. Oder man läuft in den Keller, um etwas zu holen und fragt sich dann vor Ort: Warum bin ich jetzt eigentlich hier runtergegangen? Ein anderes Beispiel ist, das einem ausgerechnet das Passwort entfällt, mit dem man sich soeben auf einer Plattform einloggen wollte. Derweil hatte man es doch auswendig gelernt. Dass uns unser Gedächtnis im Alltag manchmal im Stich lässt und wir uns einige Dinge einfach nicht merken können, kennt sicherlich jeder. Dann gibt es aber wiederum Erinnerungen, die sich in unser Gedächtnis eingeprägt haben. Zum Beispiel der Geburtstag vor 10 Jahren, als es den besten Schokoladenkuchen überhaupt gab oder an diesen Kinderspielplatz mit der großen Schaukel, die man als Kind so toll gefunden hat. Da stellt sich doch die Frage: Wie funktioniert unser Gedächtnis eigentlich und lässt sich das Gedächtnis durch Gehirntraining und bestimmte Übungen wie Gehirnjogging oder Kreuzworträtsel gezielt trainieren? 
 

Das Gedächtnis – Kurzer Überblick über Leistungsfähigkeit und Funktionsweise

Kurzgesagt, unser Gedächtnis trennt wichtige von unwichtigen Informationen, sortiert und filtert Gelerntes, Erlebnisse, Eindrücke und Erfahrungen, speichert sie an unterschiedlichen Orten im Gehirn ab und ruft sie bei Bedarf wieder auf. Das Gehirn kommuniziert dazu über Neuronen und arbeitet stets auf Hochtouren. Lernen ist die Voraussetzung, um das eigene Gedächtnis beziehungsweise die Merkfähigkeit zu trainieren. Geistige Bewegung und das Erlernen neuer Informationen sind das beste Training für das Gehirn, halten es fit und ermöglichen es unserem Gedächtnis, Informationen oder erlebte Erfahrungen abzuspeichern. Ganz so einfach funktioniert das mit dem Lernen, der Merkfähigkeit und dem Verbleib des Gelernten im Gedächtnis natürlich nicht. Das wird jeder Auszubildende wie auch Ausbilder/-innen bestätigen können. 
 

Die verschiedenen Arten von Gedächtnis – bewusst oder unbewusst

Am Anfang sollte die eingehende Beschäftigung mit der Funktionsweise unseres Gedächtnisses und den verschiedenen Gedächtnisarten stehen, um sich über Leistungs- und Merkfähigkeit des menschlichen Gehirns bewusst zu werden. Das Gedächtnis kann funktional, nach der Art, oder chronologisch untergliedert werden.
Die verschiedenen Arten von Gedächtnis zu kennen, hilft sowohl Auszubildenden als auch Ausbildern dabei, sich darüber klar zu werden, warum manche Dinge bewusster sind als andere. Das Wissen über die Gedächtnisarten erleichtert zudem das Verstehen der Gedächtnisleistung und bildet die Voraussetzung, um das eigene Gedächtnis trainieren zu können. 
Das episodische und semantische Gedächtnis gehört zu den expliziten Gedächtnisarten. Das episodische Gedächtnis bewahrt unsere eigenen autobiografischen Erlebnisse. Es speichert Ereignisse aus unserem Leben wie den letzten Urlaub, den ersten Kuss usw. ab. Das semantische Gedächtnis wiederum speichert alle Fakten und Informationen, die wir im Laufe unseres Lebens erworben haben. Dazu zählen Fremdsprachen und Wissensinhalte, wie z.B.: „Die Hauptstadt von Deutschland ist Berlin.“ Episodisches und semantisches Gedächtnis haben eine wichtige Gemeinsamkeit: In beiden Fällen ist uns bewusst, dass wir etwas wissen und können das Wissen auch an andere entsprechend weitergeben.

Dem gegenüber stehen andere Gedächtnisarten, die zusammen als implizites Gedächtnis bezeichnet werden. Dazu gehören das prozedurale und das perzeptuale Gedächtnis. Das prozedurale Gedächtnis dient uns für gewohnte Bewegungsabfolgen wie Gehen, Zähneputzen oder Radfahren. Es hilft uns, dass wir uns an einmal gelernte Abläufe automatisch erinnern und sie immer wieder hervorholen können. Das perzeptuale Gedächtnis hilft hingegen, bekannte Personen, Orte oder Gegenstände wieder zu erkennen und als bekannt zu bewerten. Auch wenn diese sich natürlich verändern können, werden wir uns trotzdem an ihre Merkmale erinnern. Beispielsweise bleibt ein Hammer ein Hammer, wenn er typische Merkmale aufweist, jedoch kann er mal einen anderen Griff haben, dünner oder dicker sein. Unser Gedächtnis verfügt über die Fähigkeit, die einmal gelernten Muster wieder abzurufen und auch zu ergänzen. Das implizite Gedächtnis speichert eher unbewusst ab. Solche Gedächtnisinhalte wirken sich zwar ständig auf unser Erleben und Verhalten aus, ins Bewusstsein treten sie dabei aber meist nicht und können auch schwer erklärt werden, ohne sie anderen tatsächlich aktiv zu zeigen.

Verschiedene Gedächtnisarten

Ganz genau genommen, gibt es also DAS Gedächtnis gar nicht, sondern nur verschiedene Arten. Unser Gehirn besteht noch aus „anderen“ Gedächtnissen, die nach zeitlicher Dauer unterteilt werden und von denen jedes seine eigene Aufgabe hat.
 

Gedächtnisleistung und Merkfähigkeit – Die Dauer der Abspeicherung von Informationen im Gedächtnis

Wer sein Gedächtnis trainieren und seine Merkfähigkeit verbessern möchte, kommt nicht umhin, sich Gedanken über die Gedächtnisabläufe zu machen, die für die Abspeicherung von Informationen erforderlich sind. Unser Gedächtnis wird in mehrere unterschiedliche Kategorien unterteilt, die sich auf die Zeitspanne beziehen, in der die Gedächtnisinhalte abgerufen werden können: das Ultrakurzzeitgedächtnis, das Kurzzeit- bzw. Arbeitsgedächtnis und das Langzeitgedächtnis.

Unser Gedächtnis – zeitlich gegliedert

Das Ultrakurzzeitgedächtnis, oder auch sensorische Gedächtnis oder sensorisches Register, speichert eingehende Informationen für wenige Sekunden. Es hilft dabei, Zusammenhänge in Gesprächen nicht zu verlieren oder sorgt zum Beispiel dafür, dass wir Sätze lesen zu können, indem wir uns am Ende des Satzes an den Anfang und somit den Sinn des Satzes erinnern. Werden diese Informationen nicht innerhalb kürzester Zeit abgerufen oder als relevant bewertet, werden sie gleich wieder gelöscht, um Platz für neue Informationen zu machen. Nur Relevantes schafft den Übergang ins Kurzzeitgedächtnis. 
 

So funktioniert das Kurzzeitgedächtnis

Im Kurzzeitgedächtnis werden Informationen bis zu mehreren Minuten aufbewahrt. Es ist auch als Arbeitsgedächtnis bekannt, weil es vor allem Informationen zwischenspeichert, die für einen aktuellen Prozess notwendig sind. Manchmal wird das Arbeitsgedächtnis auch als Schnittstelle zwischen Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis bezeichnet. Es ermöglicht uns jedoch generell, begrenzte Inhalte für einen kurzen Augenblick zu speichern, um mit ihnen arbeiten zu können. Wir lesen eine Pinnnummer, merken sie uns kurz, geben sie ein und, wenn der Login erfolgreich war, haben wir sie auch schon wieder vergessen. Die Kapazität des Kurzzeitgedächtnisses beträgt etwa sieben plus/minus zwei Informationseinheiten, sogenannte Chunks. Das kann man sich ähnlich wie merkbare Bausteine vorstellen. Das bedeutet zum Beispiel, dass wir eine willkürliche Folge von etwa sieben Ziffern oder Wörtern noch im Kurzzeitgedächtnis behalten können und mit diesen „arbeiten“. Erst wichtige oder interessante Information gelangen in das Langzeitgedächtnis.
 

So funktioniert das Langzeitgedächtnis

Im Langzeitgedächtnis können Inhalte für Wochen bis Jahre und sogar lebenslang abgespeichert werden. Neue Informationen werden in Netzwerke vorhandener Inhalte integriert. Durch die Verwendung bereits vorhandener Gedächtnisinhalte werden neue Gedächtnisinhalte gebildet. Die Speicherlänge und die -kapazität des Langzeitgedächtnisses ist höchstwahrscheinlich (fast) unbegrenzt. Durch Wiederholungen, Übungen und andere verstärkende Prozesse, zum Beispiel um neue Informationen mit bestehendem Wissen zu verknüpfen gelangen Lerninhalte in das Langzeitgedächtnis. Dies geschieht zum Beispiel, um neue Informationen mit bestehendem Wissen zu verknüpfen. Daher ist es auch so wichtig, das Gedächtnis zu trainieren, Lerninhalte in der Ausbildung mittels Übungen zu wiederholen, Arbeitsabläufe mehrmals vorzumachen oder abstrakte Inhalte mit bereits bekannten zu verbinden. Ausbilder/-innen können ihre Auszubildenden aktiv dabei unterstützen, das Gedächtnis zu trainieren und seine Leistungsfähigkeit zu steigern. Auch ein kurzer Test zwischen den Lerninhalten, Aufgaben zum Lösen oder Übungen wie Gehirnjogging können dabei helfen, das Gedächtnis fit zu halten und die Gedächtnisleistung positiv zu beeinflussen. 
 

Das Gedächtnis trainieren – Tipps für die Ausbildung

Die Prüfungszeit steht bevor und ist der wohl beste Zeitpunkt für Auszubildende, das Gedächtnis zu trainieren und die eigene Gedächtnisleistung zu überprüfen. Damit das erforderliche Wissen auch im Langzeitgedächtnis ankommt und es der Auszubildende abrufen kann, muss also gelernt werden. Am kontinuierlichen Üben kommt keiner vorbei und dafür können Ausbilder/-innen mit verschiedenen Lernstrategien und geeigneten Methoden  sensibilisieren. Dazu werden natürlich Strategien für das Lernen benötigt. Ein trainiertes Gedächtnis bietet auch im Alltag unschätzbare Vorteile, da wir uns Informationen durch die gesteigerte Leistungsfähigkeit viel besser merken können. Zum Gedächtnistraining gehört es, sich einen Lernplan zuzulegen, Inhalte zu wiederholen oder Eselsbrücken zu schaffen. Mit einer Plattform wie GEORG, über die Lerninhalte bereits gut aufbereitet bereitgestellt und begleitet werden können, steht dem Übergang von Wissen ins Langzeitgedächtnis nichts mehr im Wege. 

Weitere Informationen rund um das Gedächtnis und den gezielten Einsatz von Lernmethoden finden Sie direkt im Infopaket von GEORG, der digitalen Beruflichen Bildung von Westermann. Dort zeigen wir Ihnen ebenfalls hilfreiche Lernstrategien und stellen Informationen zum Lernen bereit, zum Beispiel über e-Learning. Jetzt kostenfrei bestellen auf: georg.westermann.de.

Hier lesen Sie mehr zu den kognitiven Lernstrategien, die dem Einprägen von Informationen helfen.
Mehr zu den ressourcenbezogen Lernstrategien, die der Organisation des Lernens dienen, lesen Sie unter: 
georg.westermann.de/news/lernen-organisieren
Hier lesen Sie mehr zu den metakognitiven Lernstrategien, die der Planung und Überwachung dienen. 

Bildnachweis: © stock.adobe.com/deagreez

Quellen:
Baddeley,A., Eysenck M. W. & Anderson, M.C. (2015). Memory. Zweite, erweiterte Ausgabe. Psychology Press. 
Kiesel, A. & Spada, H. (2018). Lehrbuch Allgemeine Psychologie. Bern: Hogrefe.
Gudehus, C. Eichenberg, A. & Welzer, H. (2010). Gedächtnis und Erinnerung: Ein interdisziplinäres Handbuch. Stuttgart: J.B. Metzler Verlag, 2
 

Verfasst von unserer Fachexpertin Sandra Niedermeier!

Dr. Sandra Niedermeier ist als Trainerin und Beraterin für Unternehmen rund um das Thema digitales Lernen tätig. Als Dozentin leitet sie verschiedene virtuelle Kurse, hält Workshops im Rahmen der Hochschuldidaktik zum Schwerpunkt digitalen Medien in der Lehre. Sie promovierte am Lehrstuhl für empirische Pädagogik und pädagogische Psychologie an der LMU München und ist neben ihrer Trainer- und Beratertätigkeit aktuell als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule Kempten am Institut für digitale Lehrformen tätig.
Bei weiteren Punkten: www.sandra-niedermeier.com/sandraniedermeier/

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