Kognitive Lernstrategien für Auszubildende

Die Kenntnis und die Anwendung von kognitiven Lernstrategien bilden die Voraussetzung für effektives Lernen, sowohl analog als auch digital.
Lernende sollen ihr eigenes Lernen durch strategisches Verhalten selbst beeinflussen können und sich so Informationen besser einprägen. Dabei ist wichtig zu unterscheiden zwischen Lernstrategie und Lerntechnik. Als Beispiel kann von einer Lesestrategie gesprochen werden, mit der die Inhalte in einem Text zusammengefasst werden. Die angewandte Technik dazu ist jedoch die Unterstreichung und Markierung der wesentlichen Textpassagen. 

Sowohl Auszubildende als auch Ausbilder stehen vor der Frage: Welche Strategien und damit verbundene Techniken gibt es nun konkret zum Einprägen von neuen Informationen beim Lernen?  
 

Wiederholungsstrategien helfen dem Langzeitgedächtnis

Die Wiederholungsstrategien umfassen, was der Name sagt: Es sind alle Aktivitäten, mit denen neuer Lernstoff in irgendeiner Form wiederholt wird. Diese Strategien zielen hauptsächlich auf die Einprägung von Fakten ab. Durch die Wiederholung werden die zu erlernenden Inhalte im Arbeitsgedächtnis aktiv gehalten und so die Voraussetzung geschaffen, dass die Informationen in das Langzeitgedächtnis überführt werden können. Typische Lerntechniken sind das mehrmalige Lesen von Wörtern zum Auswendiglernen, wie bei Vokabeln. Eine bewährte Strategie ist dabei das Lernen mit Karteikarten oder Vokabelkarten. Eine sehr gute Möglichkeit, um den Lernstoff zu wiederholen, bieten zudem Videos und digitale Lernmaterialien, die man sich immer wieder ansehen kann. Durch diese hat man die Chance, Lerninhalte in der Ausbildung optimal nachzuarbeiten.
 

Organisationsstrategien reduzieren auf das Wesentliche

Organisationsstrategien helfen hingegen bei der Strukturierung des Lerninhalts, indem wichtige Informationen herausgefiltert werden und diese dann durch das Herstellen von verständlichen Zusammenhängen miteinander verknüpft werden. Zudem helfen diese Strategien, Informationen auf das Wesentliche zu reduzieren. Eine beliebte Technik ist das Anfertigen von Mind-Maps. Dazu wird das zentrale Thema, der Lerninhalt, in die Mitte geschrieben und möglichst viele passende Stichpunkte drum herum gebaut. Oberbegriffe sind näher am zentralen Thema als Unterbegriffe, so entsteht Ordnung, die Inhalte reduzieren sich auf das Wesentliche. Ebenso gehören das Anfertigen von Tabellen und Zusammenfassungen zur Strukturierung des Lernstoffs und erleichtern den Vorgang des Lernens.
 

Elaborationsstrategien verknüpfen Bekanntes mit Neuem

Elaborieren bedeutet, dass man neue Inhalte in bereits bestehende Wissensstrukturen einbaut. Mithilfe dieser Strategie wird neuer Lernstoff mit altem Wissen verknüpft. Elaborationsstrategien helfen ein tieferes Verständnis des Lernstoffs zu erzielen z.B. durch das Ausdenken konkreter Beispiele, Sprichwörter oder Metaphern. Die lernende Person kann sich Alltagsbeispiele überlegen oder den Lerninhalt mit ganz persönlichen Erlebnissen verknüpfen. Sehr bekannt ist übrigens die Loci-Methode, die sich vor allem für das Einprägen von Reihenfolgen oder Aufzählungen eignet. Zunächst überlegt sich der Lernende eine Abfolge von Orten. Das können markante Punkte auf dem Weg zur Ausbildung sein, aber auch die eigenen Körperteile. Diese Orte werden mit dem Lernstoff verknüpft. Beispielsweise wählt sich der Auszubildende 10 Punkte auf dem Körper (Haare, Gesicht, Hals, ...) und verknüpft diese dann mit dem eigentlichen Inhalt. Dabei wird eine Geschichte erzählt, je abstruser, desto besser. Als inhaltliches Beispiel dient ein Rezept, hier sollen sich die Zutaten gemerkt werden (Spaghetti, Tomaten, Basilikum...). Eine Geschichte könnte wie folgt beginnen: Als ich mir in die Haare fasste, klebten dort Spaghetti. Das war mir peinlich, daher lief mein Gesicht rot an wie eine Tomate. Diese Strategie erleichtert den Lernprozess und auch umfangreiche Lerninhalte können zügig verinnerlicht werden.
 

Kognitive Lernstrategien in der Ausbildung effektiv nutzen

Die hier beschriebenen Lernstrategien gehören zu den sogenannten kognitiven Lernstrategien. Sie sind nötig, um sich neue Informationen einzuprägen und heißen daher auch gern Informationsverarbeitungsstrategien. Zu Ihnen zählen alle Strategien, die bei der Aufnahme, Verarbeitung und Speicherung von Informationen helfen. Vielen Auszubildenden fällt es jedoch generell eher schwer, einen Lernstoff zu strukturieren, ihn zu wiederholen und sich das verlangte Wissen effektiv anzueignen. Die Fülle des Lernmaterials überwältigt sie und sie verirren sich in der Informationsdichte. Dabei können kognitive Lernstrategien hilfreich sein, wenn der Auszubildende diese kennt und mit ihnen umgehen kann. Statt auf pures Auswendiglernen von Fachbegriffen, Zahlen und Fakten setzen Lernstrategien auf die strukturierte Auseinandersetzung mit Inhalten. Jedoch ist es wichtig zu wissen: keine Lernstrategie ist besser als die andere. Sie muss zum Auszubildenden passen.

Auch GEORG unterstützt die Nutzung von kognitiven Lernstrategien optimal, denn es macht die Wiederholung des Lernstoffes einfach - beispielsweise dank der Möglichkeit Kurse oder auch nur bestimmte Inhalte im Kurs immer wieder aufs Neue anzusehen. Zudem wird durch die Gestaltung der Lerninhalte bereits das Verständnis von Zusammenhängen und damit das Elaborieren gefördert. Mehr Informationen über GEORG, die digitale Berufliche Bildung von Westermann, finden Sie im Infopaket. Weiterhin zeigen wir Ihnen dort hilfreiche Lernstrategien und Informationen zum Beispiel über e-learning. Jetzt kostenfrei bestellen auf: georg.westermann.de

Mehr zu Lernstrategien erfahren Sie zudem in unserem Blogartikel „Lernstrategien kennen und für die Ausbildung nutzen“.

Bildnachweis: © stock.adobe.com/Andrey Popov

Quellen:
Mandl, H. & Friedrich, H. F. (Hrsg.) (2006). Handbuch Lernstrategien. Göttingen: Hogrefe Verlag.
Metzig, W., & Schuster, M. (1993). Lernen zu lernen: Lernstrategien wirkungsvoll einsetzen. Berlin, Heidelberg: Springer Berlin Heidelberg.
 

Verfasst von der Fachexpertin Sandra Niedermeier!

Dr. Sandra Niedermeier ist als Trainerin und Beraterin für Unternehmen rund um das Thema digitales Lernen tätig. Als Dozentin leitet sie verschiedene virtuelle Kurse, hält Workshops im Rahmen der Hochschuldidaktik zum Schwerpunkt digitalen Medien in der Lehre. Sie promovierte am Lehrstuhl für empirische Pädagogik und pädagogische Psychologie an der LMU München und ist neben ihrer Trainer- und Beratertätigkeit aktuell als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule Kempten am Institut für digitale Lehrformen tätig.
Bei weiteren Punkten: www.sandra-niedermeier.com/sandraniedermeier/

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