Welche Lerntypen gibt es?

Den Lerntyp zu ermitteln kann dabei helfen, effizient Lerninhalte zu vermitteln. „Wie gut kennen Sie Ihren Azubi?“ und warum ist diese Frage so wichtig?
Wir alle wissen, dass Lernen umso leichter gelingt, wenn wir 
a) lernen was uns interessiert und auf das wir neugierig sind (intrinsische Motivation ), 
b) weil wir mit dem Gelernten ein spezielles Ziel verfolgen (Lernziel) und 
c) wenn wir auf eine Art und Weise lernen können, die unserer Persönlichkeit entspricht. 

Die Theorie der verschiedenen Lerntypen kann dabei helfen, Auszubildende mit entsprechenden Tipps beim Lernen zu unterstützen und Lerninhalte durch die Auswahl passender Lernmethoden effizienter zu vermitteln. Denn jeder Lerntyp bevorzugt unterschiedliche Lernstrategien und individuelle Hilfsmittel, um sich neue Informationen gut merken zu können.
 

Was sind Lerntypen?

Beim Lernprozess sind bekanntlich verschiedene Sinne beteiligt, doch die Ausprägung der Sinnesorgane variiert von Individuum zu Individuum. Die Konsequenz: Jeder lernt durch unterschiedliche Lernmethoden besonders gut – das lässt sich schon bei Kindern beobachten! Während das eine Kind Grafiken bevorzugt, lauscht ein anderes Kind lieber Geschichten. Das ist bei Erwachsenen nicht anders. Menschen unterscheiden sich hinsichtlich ihres Lernverhaltens bezüglich der Sinne, auf die sie sich beim Lernen neuer Dinge am stärksten verlassen. Die Bestimmung des individuellen Lerntyps sollte möglichst früh durch einen Lerntypentest erfolgen und kann dabei helfen, Lernziele effizient zu vermitteln und die eigene Lernstrategie daraufabzustimmen. Das erleichtert das Lernen und das Abspeichern von Informationen ungemein! Denn jeder Lerntyp lernt mit unterschiedlichen Hilfsmitteln gut und kann sich Dinge besser merken, wenn er sie durch lerntypengerechte Tipps und Methoden vermittelt bekommt. 
 

Die verschiedenen Lerntypen im Überblick

"Hätte es zu Ihrer Schulzeit schon den Historychannel gegeben, hätten Sie wahrscheinlich nur die Note 1 erreicht?" Wenn Sie dieser Aussage zustimmen können, gehören Sie zu den audiovisuellen Lerntypen. Der audiovisuelle Lerntyp kann die Inhalte spannender Spielfilme und Reportagen, Dokumentationen und Berichte durch die Kombination von Bild und Ton prima verstehen und behalten. Informationen, die durch auditive und visuelle Reize miteinander verknüpft werden, eignen sich am besten zur Wissensvermittlung beim audiovisuellen Lerntyp.

Manch anderer mag das bodenlos langweilig finden und schläft bei Dokus regelmäßig ein, hört aber beim Autofahren mit Vorliebe Podcasts und/oder Hörbücher und merkt sich das Gehörte. Wer sich in dieser Beschreibung wiederfindet, gehört zu den auditiven Lerntypen. Der auditive Lerntyp lernt besonders gut über das Hören und Sprechen und kann auf diese Weise Gelerntes präzise wiedergeben. Häufig bewegen Menschen dieses Lerntyps die Lippen beim Lernen und profitieren davon, Texte laut vorzulesen. 

Nicht umsonst gibt es Praktiker und Theoretiker: Der Nächste braucht die „tatkräftige“ Beschäftigung mit einem Thema, gerne auch handwerklich, um Neues zu lernen. Motorische Lerntypen lernen nach dem Prinzip „learning by doing“ und behalten etwas am besten, wenn sie es selbst einmal ausprobiert haben. Auch moderate Bewegung beim Lernen hilft motorischen Lerntypen dabei, sich Informationen besser zu merken. Anschauliches Lernmaterial wie Modelle oder Experimentierbaukästen eignen sich am besten, um Wissen an motorische Lerntypen zu vermitteln. 

Das Sehen ist der bevorzugte Sinn des visuellen Lerntyps. Dieser Lerntyp nimmt Informationen besser auf, wenn er sie konkret vor sich sieht. Dieser Lerntyp ist dafür bekannt, gerne zu lesen, sich häufig Notizen zu machen oder Skizzen aufzuzeichnen, die ihm dabei helfen, sich ein besseres Bild von einem bestimmten Sachverhalt zu machen. Grafiken, Mind-Maps, Lernposter und weitere Hilfsmittel, die den Sehsinn ansprechen, eignen sich bestens, um visuelle Lerntypen beim Lernen zu unterstützen.

Und dann haben wir noch diejenigen, die im Gespräch, über die Erklärungen anderer und die kommunikative Auseinandersetzung mit Inhalten Zusammenhänge verstehen und im Gedächtnis verankern – die kommunikativen Lerntypen. Der kommunikative Lerntyp lernt besonders gut im Austausch mit anderen. Dialoge und Diskussionen im Rahmen von Lerngruppen sind wie geschaffen dafür, um kommunikativen Lerntypen effektiv beim Lernen zu helfen.

Zu guter Letzt gibt es den Lerntyp, der eine gute Mischung aus allem braucht, um sich gerne und erfolgreich mit Lernstoff zu beschäftigen. In der Praxis treten die einzelnen Lerntypen nämlich selten isoliert auf, stattdessen gibt es eine Vielzahl an Kombinationen der grundlegenden Lerntypen. Allerdings dominiert auch bei Mischtypen meist die Präferenz für eine bestimmte Lernmethode. 
 

Den Lerntyp ermitteln

Weil die Berücksichtigung der verschiedenen Lerntypen das Lernen angenehmer und effektiver gestalten kann, ist es für Ausbilder wichtig zu wissen, welchem Lerntyp ihre Azubis angehören, um die Art und Weise der Wissensvermittlung entsprechend anpassen zu können. Wenn Sie die unterschiedlichen Lerntypen ihrer Auszubildenden verstehen, können Sie die Lernmethoden entsprechend anpassen und geeignete Lerntipps geben.

Im Internet finden sich bei der Recherche zum lerntypengerechten Lernen nicht nur viele Online-Angebote, mit denen man die Lernpräferenzen per Lerntypentest feststellen lassen kann (z.B. Stichwort Honey & Mumfort). Es gibt auch einige Anleitungen, wie man eine einfache physische Experimentumgebung im Betrieb aufbauen kann, um den Lerntyp der Auszubildenden zu ermitteln.
 
Nun kann man nicht immer, schon allein aus den betrieblichen Rahmenbedingungen heraus, die ideale Lernatmosphäre für jeden Azubi individuell gestalten und jeden Lerntyp gleichermaßen ansprechen. Hier können digitale Online-Umgebungen eine wertvolle Unterstützung bieten. Die meisten Online-Ausbildungsangebote bieten den Lernstoff auf unterschiedliche Weise an: in Kurzfilmen, per Text oder in Audiodateien und sprechen so bis auf den haptischen Lerntypen verschiedene Lernpräferenzen an. Themen können in Gruppen diskutiert werden, einzeln oder gemeinsam werden Fallbeispiele gelöst und mit den verschiedenartigsten Lernerfolgskontrollen hat der Ausbilder einen Überblick über die Ergebnisse.
 

Sinnvolle Lerninhalte festlegen und Lernziele kommunizieren

Nehmen wir jetzt Motivationsanreiz b) hinzu, wird das eine runde Sache: Wir lernen nicht, wenn wir nicht ganz persönlich für uns entschieden haben, dass wir das Gelernte für etwas ganz Bestimmtes brauchen. Und ehrlich gesagt: Manchmal ist es auch als Ausbilder gar nicht so leicht einem Azubi zu vermitteln, warum dieser und jener Lernstoff nunmal gelernt werden muss. Doch selbst ein: „Das brauchst Du, um die Prüfung zu bestehen“ ist ein Ziel und kann Auszubildende zum Lernen motivieren. 

Besser wirken Ziele jedoch, wenn die Lernenden verstehen, dass dieser Lerninhalt nur ein Puzzleteil ist, ein kleines Zahnrad im gesamten betrieblichen Getriebe, auf dem andere Prozesse, wirtschaftliche Zusammenhänge und organisatorische Systeme aufbauen.Ein gut formuliertes Lernziel macht also nicht nur inhaltlich klar, was genau jetzt gelernt werden soll, sondern vor allem: Warum? Ein Beispiel: Wenn einem Auszubildenden nicht erklärt wird, warum genau Rechnungen sachlich und rechnerisch vom Empfänger geprüft werden müssen (rechtliche Vorgaben, Steuerrelevanz, Wirtschaftsprüfung etc.), kann das schnell als unliebsame Routinetätigkeit angesehen werden, die nach kurzer Zeit immer weniger sorgfältig durchgeführt wird. 

Den Sinn von Lernzielen zu vermitteln ist deshalb überaus wichtig. Wird dem Auszubildenden bereits in der gemeinsamen Zielvereinbarung klar, dass es sich hierbei um eine Aufgabe handelt, mit der er nicht nur einfaches Fachwissen erlangt, sondern mit der er auch seine Schlüsselkompetenzen wie Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein fördert und entwickelt, stellt sich die Wertigkeit einer solchen Aufgabe ganz anders dar. Vermitteln Sie dem Azubi, dass andere Kolleginnen und Kollegen im Betrieb von seiner detailorientierten und qualitativ guten Arbeit abhängig sind und nicht zuletzt der Betrieb bei einer eventuellen Steuerprüfung keine Nachteile befürchten muss, wenn er seine Aufgabe gewissenhaft erledigt. 

Sinnvoll ist es daher auch, regelmäßig von Seiten der Ausbilder den Bezug zum Ausbildungsrahmenplan herzustellen, z.B. mit den entsprechenden Vorlagen für Ausbildungsnachweise (zu erhalten unter www.bibb.de Bundesinstitut für berufliche Bildung). Hier werden Richt- und Groblernziel bereits vorgegeben und der Ausbilder muss nur noch die entsprechenden Feinlernziele mit den Azubis formulieren.

Bildnachweis: © stock.adobe.com/Pixel-Shot

Verfasst von der Fachexperten Jutta Mohamed-Ali!

Jutta Mohamed-Ali, Diplom-Betriebswirtin, Inhaberin von ArsAzubi, Ausbildungsberatung für KMU. Als Beraterin, Trainerin und Coach beschäftigt sie sich seit über 15 Jahren mit der Ausbildung von Azubis und dual Studierenden. Erst in einem der größten, deutschen DAX-Konzerne, dann als selbständige Beraterin. Als Psychotherapeutin (HPG) und Lernprozessbegleiterin begleitet sie Azubis im Auftrag der KMU durch die Ausbildung, berät und unterstützt die Betriebe in allen Ausbildungsfragen und trainiert die Mitarbeiter in Seminaren und Workshops. Als Dozentin schult sie an Industrie- und Handelskammern zukünftige Ausbilder. 
Kontakt: ArsAzubi, Rosenhof 36, 64560 Riedstadt, Tel.: 06158/9170340 
E-Mail: jutta.mohamedali@arsazubi.de www.arsazubi.de 

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