Intrinsische Motivation oder "den Hintern nicht hochbekommen"

Kann intrinsische Motivation geweckt werden? Und wie können Lehrer in der Schule und Ausbilder im Betrieb intrinsische Motivation fördern und entwickeln?
Intrinsische Motivation „bezieht sich auf einen Zustand, bei dem wegen eines inneren Anreizes, der in der Tätigkeit selbst liegt, z.B. im Empfinden des Flow-Erlebens, gehandelt wird."

Was wir laut obiger Definition unter intrinsischer Motivation verstehen und an intrinsischer Motivation bei unseren Schülern, Azubis und Mitarbeitern gerne sehen möchten, ist der innere Antrieb zu lernen und sich informieren zu wollen. Was jedoch häufig in der Realität, gerade im Berufsleben, erlebt wird, ist das Phänomen des  „seinen Hintern nicht hochbekommen“. Das begegnet Lehrern in der Schule wie Ausbildern im Betrieb. Obwohl die jungen Leute auf Nachfrage hin wissen, dass sie sich z.B. um einen guten Ausbildungsabschluss kümmern müssen, oder sich ein bestimmtes Thema erarbeiten sollen (z.B. in Schule und Betrieb) reicht das als Anreiz nicht aus, um entsprechend tätig zu werden und sich zu motivieren. Sie sehen oft keinen Sinn darin. Frei nach dem Motto: „Wenn ich nicht weiß, dass es etwas gibt, suche ich auch nicht danach“. Interesse kann aber geweckt werden, indem ich etwas Neues hinzulerne und eine Ahnung davon bekomme, dass es da noch mehr geben könnte. Durch Neues hinzulernen kann intrinsische Motivation also auch erst entstehen.
 

Zusammenspiel aus intrinsischer und extrinsischer Motivation

Spannende Aufgabeninhalte, Selbständigkeit und Verantwortung für die Bearbeitung der Aufgabe, Wertschätzung der Leistung und eine Bewusstmachung der erworbenen Kompetenzen und der daraus entstehenden Wachstumsmöglichkeiten sind oberste Aufgabe von Lehrern und Ausbildern. Mit welchen Mitteln kann man junge Menschen gut motivieren? Insbesondere Abwechslung bei der Arbeit, angemessener Freiraum und ein Gefühl von Bedeutsamkeit sind wichtige Punkte, die sich positiv auf die intrinsische Motivation und auch die Tätigkeit im Betrieb auswirken. Neben der intrinsischen Motivation nimmt auch die extrinsische Motivation Einfluss auf die Arbeits- und Lernleistungen einer einzelnen Person. Extrinsische Motivation ist das, was eine bereits vorhandene intrinsische Motivation fördern, intensivieren, und steigern kann. Sie ist nicht geeignet, um dauerhaft Lust und Spaß am Lernen zu wecken oder zu erhalten.

„Wenn, dann …“ als Anreiz zum Lernen und Arbeiten, egal ob in der Schule oder im Beruf, egal ob positiv zur Verstärkung oder negativ als Drohung, kann also nicht funktionieren, zumindest nicht dauerhaft. Das ist der große systemimmanente Fehler unseres Schulnotensystems und des Beurteilungssystems in Unternehmen. Wichtig ist es daher für die Lehrer und Ausbilder, nicht nur Tätigkeiten und deren Inhalte als solches zu erklären, sondern immer Sinnzusammenhänge festzustellen und zu erklären. Es ist wichtig, die einzelne Aufgabe für den Auszubildenden nachvollziehbar in größere Prozesszusammenhänge zu setzen und den Nutzen nicht nur für die tägliche Berufspraxis, sondern auch für die persönliche Lebenswelt des Auszubildenden darzustellen. Es geht bei der extrinsischen Motivation sozusagen darum, attraktive Anreize für den Lehrling zu schaffen. 

Schafft es der Ausbilder durch die Wahl seiner Lehrmethode, durch die Berücksichtigung der oben angesprochen Motivatoren, sowie durch das Abholen des Auszubildenden aus seiner persönlichen Lebens- und Erlebenswelt und der Herstellung eines Bezuges zu großen, übergeordneten Prozessen im Unternehmen, dass der Auszubildende beim Bearbeiten einer Aufgabe oder eines gewissen Themas motiviert und mit Lust, Neugier, und Spaß die Zeit vergisst, ermöglicht er ihm das Erleben eines Flow-Zustandes. Im Flow-Zustand werden Endorphine ausgeschüttet, die den Effekt haben, dass der Auszubildende diesen Zustand immer wieder erleben möchte. Genau dann ist der Punkt erreicht, an dem der Auszubildende feststellt, dass seine intrinsische Motivation zum Lernen und Bearbeiten bestimmter Aufgaben immer weiterwächst. Zeitgleich wachsen Neugier, Lust auf Neues und mehr Lernen, sowie der Spaß an der eigentlichen Tätigkeit und es entsteht ein positiver Kreislauf des Lernerlebens. 

Digitale Lernplattformen zur Förderung intrinsischer Motivation

Wer als Ausbildungsbetrieb also intrinsisch motivierte Bewerber haben möchte, muss auch seinen Beitrag dazu leisten diese intrinsische Motivation aktiv bei Jugendlichen anzustoßen und zu fördern. Es ist hilfreich, sie in ihren persönlichen Lebenswelten abzuholen, Neugier und Interesse zu wecken, Spaß am Thema zu vermitteln, und die eigenen Unternehmenswerte und die Unternehmenskultur entsprechend darzustellen. Dies begünstigt die Motivation aus dem Inneren, sodass die Auszubildenden motiviert in den Lernprozess starten können. Einen großen Beitrag können hier digitale Lernplattformen bieten. Jugendliche und junge Erwachsene sind in der digitalen Welt groß geworden und erwarten entsprechende Angebote auch in der Ausbildung. Digitale Inhalte, interessant und spannend dargestellt, vom Ausbilder als Teil in den Gesamtprozess Ausbildung mit einbezogen und mit einem guten Feedbacksystem verbunden (sowohl digital als auch physisch) unterstützen die intrinsische Motivation wie oben beschrieben und motivieren die jungen Menschen in ihrem Lernvorhaben. 

Digitale Medien in der Berufsausbildung können insofern ein Bestandteil zur Steigerung der intrinsischen Motivation sein, als dass sie genau die Kompetenzen unterstützen, die intrinsische Motivation fördern: das selbständige Erarbeiten von Themen und das Erläutern von theoretischen und praktischen Inhalten im Zusammenhang mit größeren, übergreifenden Prozessen. Prinzipiell also das, was auch klassische Lehrmethoden wie die Projektmethode oder ein komplexer Leittext erreichen sollen. Natürlich bieten digitale Medien die Möglichkeit, Erlebnis- und Erfahrungswelten zu schaffen, die spannender und mit mehr Lust erlebt werden können, als mit klassischen Medien.

Nach Möglichkeit sollten Medien gewählt werden, die Lerninhalte so darstellen, wie es ein Lehrer, ein Ausbilder mit Büchern, klassischen Lernmethoden oder dem Zeigen eines Dokumentarfilms nicht könnten. Digitale Lernportale, wie GEORG, die auf Stärken und Schwächen der einzelnen Auszubildenden eingehen und Lerninhalte leicht verständlich vermitteln, sind hier nur ein Beispiel. Erlebniswelten mit der Virtual Reality Brille sind eine weitere Alternative. Eine dritte Möglichkeit besteht darin, klassische Lehrmethoden und digitale Medien miteinander zu kombinieren, um die Motivation intrinsisch zu fördern. Zum Beispiel, indem man Auszubildender Ihre digitalen Lerneinheiten selbst entwickeln und produzieren lässt. Hier können Prozess- und fächerübergreifend viele Kompetenzen entwickelt werden. GEORG fördert dies, indem der Ausbilder die Möglichkeit hat, eigene Projekte für seine Auszubildenden einzustellen.

Unser Fazit zur intrinsischen Motivation in der Ausbildung

Intrinsische Motivation muss aktiv geweckt, gefördert und entwickelt werden. Sie kann nur zu einem geringen Grad erwartet und vorausgesetzt werden. Das bedeutet für Lehrer und Ausbildungspersonal eine immer neue Herausforderung an ihre pädagogischen Fähigkeiten.

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Bildnachweis: © stock.adobe.com/contrastwerkstatt
Quellen:
Autor: Prof. Dr. Günter W. Maier, Universität Bielefeld, Fakultät für Psychologie, Sportwissenschaften
Abteilung für Psychologie, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie,
Ort: Internetseite Gabler Wirtschaftslexikon
https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/intrinsische-motivation-...
Revision von intrinsische Motivation vom 14.02.2018 - 17:36
Geladen und aufgerufen am 08.04.2019 um 18:40 Uhr
Springer Gabler | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, Abraham-Lincoln-Str. 46, 65189 Wiesbaden, Germany

 

Verfasst von der Fachexperten Jutta Mohamed-Ali!

Jutta Mohamed-Ali, Diplom-Betriebswirtin, Inhaberin von ArsAzubi, Ausbildungsberatung für KMU. Als Beraterin, Trainerin und Coach beschäftigt sie sich seit über 15 Jahren mit der Ausbildung von Azubis und dual Studierenden. Erst in einem der größten, deutschen DAX-Konzerne, dann als selbständige Beraterin. Als Psychotherapeutin (HPG) und Lernprozessbegleiterin begleitet sie Azubis im Auftrag der KMU durch die Ausbildung, berät und unterstützt die Betriebe in allen Ausbildungsfragen und trainiert die Mitarbeiter in Seminaren und Workshops. Als Dozentin schult sie an Industrie- und Handelskammern zukünftige Ausbilder. 
Kontakt: ArsAzubi, Rosenhof 36, 64560 Riedstadt, Tel.: 06158/9170340 
E-Mail: jutta.mohamedali@arsazubi.de www.arsazubi.de 
 

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