Interview mit dem Digitalisierungsexperten und -dozenten Thomas Janz

Wir freuen uns sehr, dass wir für unsere kommende Videoserie „Digitalisierung in der Bankausbildung“ Herrn Thomas Janz, Experte für digitale Transformation und Weiterbildung, gewinnen konnten. „Herr Janz ist als geschäftsführender Gesellschafter der Produktivo GmbH, als Dozent für Digitalisierung, als Produzent von Lehr- und Imagefilmen und als Banker tätig. Heute verdeutlicht er in diesem Interview, welche Türen sich durch die Digitalisierung öffnen, motiviert dazu Risiken einzugehen und mahnt vor den gravierenden Folgen eines „weiter so´s“. Er vertritt die Meinung, dass die Bundesrepublik, aber auch vor allem die deutschen Banken viel zu viele Trends verschlafen haben.“

In unserem Interview beantworten wir folgende Leitfragen:

Wie sehen Status quo und die Zukunft deutscher Banken aus?
Wie sehen Lösungsansätze im Umgang mit der Digitalisierung aus?
Zeitgemäßes, beständiges Lernen – wo steht Deutschland? 
Wie ist das duale Ausbildungssystem für die Zukunft gewappnet?

Herr Janz, Sie sagen, dass Deutschland Trends verschlafen hat. Was meinen Sie damit?

„Jahrzehntelang dominieren deutsche Unternehmen mit dem Lable „Made in Germany“ die internationalen Märkte. „Deutschland ging s noch nie so gut“, so Angela Merkel im Jahr 2016. Gleichzeitig wurden in dieser "guten" Phase neue Querdenker unterschätzt. Selbst mit versammelter Power haben es z.B. die Banken in den letzten 15 Jahren nicht geschafft, einem Paypal Paroli zu bieten. Und Paypal war erst der Anfang.“
 

Und wie geht es mit den Banken weiter?

„Die Banken leiden unter der geringen Zinsmarge, haben seit der Einführung der neuen Zahlungsverkehrsrichtlinie PSD2 kein Datenmonopol mehr und müssen sich auf einmal im Wettbewerb mit neuen jungen FinTechs beweisen. Ich beobachte die Entwicklung mit großer Besorgnis, weise aber auch immer auf die Chancen hin. In Zeiten in denen Unternehmen wie Apple eine eigene Kreditkarte herausgeben oder Facebook gar eine eigene Währung besitzt, ist ein Umdenken notwendig.“ 
 

Was sollen wir tun?

„Hier gibt es zahlreiche Stellschrauben. Doch bevor wir über Themen wie Open Banking, Kooperationen mit FinTechs oder neuen Geschäftsmodellen sprechen, sollten wir über unsere Einstellung nachdenken. Die Einstellung des Vorstands, der Mitarbeiterschaft und die die wir an unsere Auszubildenden weitergeben.  
Obwohl der Mensch ein Gewohnheitstier ist und als ein solches wenig Lust auf Veränderungen verspürt, ist in Zeiten des Wandels genau dies von Nöten: Ein hohes Veränderungsbewusstsein sowie eine hohe Offenheit für das Erlernen neuer Dinge.“ 
 

Wie lernt man heutzutage unter dem Aspekt der Digitalisierung?

„Immer und überall. Die Zeiten sind längst vorbei in denen Auszubildende oder Studierende sagen konnten: „Ich bin jetzt fertig, ich habe jetzt ausgelernt“. Der Lernprozess findet auch nicht mehr nur vor versammelter Mannschaft im Klassenzimmer statt, sondern durch neue Kanäle wie Videos, Webinare, Podcasts oder internetbasierten Trainings an jedem Ort und zu jeder Zeit. Eine Studie des Rats für kulturelle Bildung zeigt, dass schon heute fast jeder zweite Mensch mit Hilfe von Erklärvideos auf Plattformen wie Youtube lernt.“ 
 

Warum ist stetiges Lernen so wichtig?

„Stetiges Lernen bedeutet stetiges Wachstum unseres Humankapitals.
In unserer digitalisierten Welt vermehrt sich das Wissen nicht mehr linear, sondern exponentiell. Was gestern neu war, ist heute alt. Wenn wir uns gegen Unternehmen wie die GAFA´s auch zukünftig beweisen möchten, dürfen wir nicht aufhören zu wachsen.“
 

Wie bewerten Sie das duale Ausbildungssystem in Deutschland?

„Eine solide Grundausbildung ist nach wie vor das A und O. Die „deutsche Berufsausbildung“ hat Vorbildcharakter und ist einer der Erfolgsfaktoren der deutschen Wirtschaft. Wichtig ist nur, dass wir diese an den aktuellen Zeitgeist anpassen und den Betrieben neue Werkzeuge an die Hand geben müssen. Durch die Integration von Informations- und Lernplattformen kann das Wissen gebündelt werden und ist dadurch einfach, immer und überall erhältlich. Ich stelle aber fest, dass das was wir unseren Auszubildenden und Mitarbeitenden beibringen, in der Zukunft nicht mehr ausreichen wird.“

Welche Fähigkeiten werden in der Zukunft benötigt? Und macht eine Ausbildung zum Bankkaufmann in Zeiten von Filialschließungen überhaupt noch Sinn? 

Diese und weitere Fragen beantworte ich in der kommenden Videoserie. Die beiden Videos werden Anfang und Ende November auf der GEORG Videoseite veröffentlicht.