Digitalisierung und Lernen 4.0

Auf welche Kompetenzen kommt es in Zukunft wirklich an?

Ein Kompass für Bildung im 21. Jahrhundert

Die Digitalisierung verändert unser tägliches Leben, soviel ist mittlerweile wohl jedem klar. Es gibt kaum einen Bereich, in welchem die Auswirkungen nicht zu spüren sind - und es ist ungewiss, in welcher Form diese Entwicklungen auch in Zukunft unsere Welt und unser Zusammenleben prägen werden. Die Frage im Bereich der Ausbildung ist jedoch: Wenn sich die Welt durch Digitalisierung verändert, wie muss sich dann auch das Lernen und die Weiterbildung verändern? Was bedeutet Lernen 4.0 und worauf kommt es dabei an?

Algorithmen übernehmen einfache Arbeit - was bleibt für den Menschen übrig?

Vor allem die Arbeitswelt spürt die Auswirkungen seit Jahren besonders: Prozesse werden vereinfacht, automatisiert, digitaler und beschleunigt. Wenn ein Büroangestellter früher den Vormittag mit dem Öffnen und Beantworten der Post beschäftigt war, dann erledigt er dies jetzt bereits per Smartphone auf dem Weg in die Arbeit. Wie diese Entwicklung in Zukunft weiter geht? Dies kann selbstverständlich niemand exakt vorhersagen. Man kann lediglich Tendenzen an den Entwicklungen der letzten Jahre und Jahrzehnte ablesen und entsprechend die Zukunft antizipieren. Eine recht eindeutige Entwicklung der vierten industriellen Revolution (Digitalisierung) ist jedoch die zunehmende Automatisierung in Unternehmen. Einfach gesprochen: Simple, wiederholende Tätigkeiten können durch Algorithmen und Maschinen wesentlich schneller und wesentlich fehlerfreier ausgeführt werden als von Mitarbeitern. Was bleibt also für den Menschen übrig? Sie ahnen es vielleicht schon: Nur noch komplexe, schwierige Aufgaben mit unbekannten Ergebnissen. 

Mit dem Blick auf unser aktuelles Bildungssystem ist aber genau dies problematisch: Da dieses in seiner Struktur und Organisation noch aus Zeiten der ersten oder zweiten industriellen Revolution stammt, in welcher quasi Menschen zu "Maschinen" (austauschbaren Fabrikarbeitern, Soldaten etc.) ausgebildet werden sollten, ist dieses in großen Teilen auch noch genau darauf ausgerichtet und wenig digital: Standardisierung, Wiederholung, Erlernen von mehr Wissen statt Können. Das war zu Zeiten von Alexander von Humboldt vermutlich angemessen, in Hinblick auf die aktuellen Entwicklungen in der (Arbeits-)Welt braucht es jedoch einen Fokus auf neue Kompetenzen. Welche können passend für diese neuen Anforderungen sein? 

Das "4K-Modell" als Kompass für Lernen 4.0

Der Koordinator der bekannten PISA-Studien und Bildungsforscher der OECD, Andreas Schleicher, hat dazu 2013 das sogenannte "4K-Modell" zu grundsätzlichen Kompetenzen zum selbstgesteuerten Lernen im 21. Jahrhundert vorgeschlagen. Diese lauten:

  • Kommunikation: In einer digitalen Welt mit neuen, ständig verfügbaren Kommunikationskanälen wird der reflektierte, bewusste Umgang mit diesen umso wichtiger. Diese Kompetenz schließt auch weitere andere weiche Faktoren wie Empathie, Respekt und gutes Zuhören ein. 
  • Kollaboration: Die entstandene Komplexität des 21. Jahrhunderts lässt sich nur gemeinsam bewältigen. Die Zeit der Einzelkämpfer ist trotz aller nötiger Selbstführungskompetenz vorbei. Die Digitalisierung bietet dazu viele (technische) Möglichkeiten, die mittels dieser Fähigkeit möglichst sinnvoll genutzt werden können.
  • Kreativität: Kreatives Problemlösen, Innovieren und Denken ist eine angeborene Fähigkeit eines jeden Menschen, die auch in Zukunft in dieser Tiefe nur bedingt von Maschinen automatisiert werden kann. Gerade weil das menschliche Gehirn über neue Querverbindungen denken kann, können neue Lösungen entstehen, die zuvor in dieser Kombination nicht bestanden. 
  • Kritisches Denken: Die eben genannte Kreativität entsteht oftmals dadurch, dass der aktuelle Status quo erst einmal hinterfragt werden muss, um neue Lösungen zu entwickeln. Auch dies ist eine schwer bis nicht zu automatisierende menschliche Fähigkeit und rundet das 4K-Modell des Lernens ab.

Das "Mensch sein" wieder zum Fokus der Bildung machen

Was ist also „Lernen 4.0“ und wie verändert Digitalisierung das Lernen, die Ausbildung und z.B. die Personalentwicklung in Unternehmen? Im Gegensatz zu vielerorts vollmundigen (und nicht gehaltenen) Versprechen wie „diese Technologie wird das Lernen für immer verändern“ sollte uns natürlich bewusst sein, dass sich wie der Mensch (gehirn-gerecht) lernt natürlich auch durch Digitalisierung nicht verändert hat und verändern wird. Jedoch verändert sich der Fokus auf die Kompetenzen, die er erlernen sollte - und genau dies ist die positive Nachricht und Chance für eine bessere Bildung im Zeitalter der Digitalisierung: Wir haben die Chance, den „Mensch als Maschine“ (1. Industrielle Revolution) wieder zum „Mensch als Mittelpunkt des Seins“ zu machen, indem wir zutiefst menschliche Fähigkeiten wieder kultivieren. Genau deshalb ist das 4K-Modell ein guter erster Schritt als sinnhafter Kompass in einer komplexen, hyperaktiven, digitalen Welt voller neuer Trends, um den Aufbau von Wissen, neue Medien und das Lernen nachhaltig zu integrieren und zukunftsfähig zu gestalten.

Abschließend ist dazu auch noch eine fünfte Kompetenz zu nennen, welche quasi die Grundlage zur Entwicklung aller Kompetenzen des Modells sein kann: Fokus auf den gegenwärtigen Moment. In einer Welt voller Möglichkeiten und Ablenkungen ist bewusst gelenkte Aufmerksamkeit das höchste Gut. Wenn diese Selbstführungskompetenz zum Ziel der Bildung gemacht und genügend kultiviert wird, kann ein idealer Nährboden zur Entwicklung von empathischer Kommunikation, effektiver Kollaboration, freier Kreativität und kritischem Denken entstehen. 

Lernen 4.0 mit GEORG - E-Learning für die Ausbildung

Dieses Leitbild verfolgt auch Westermann mit seiner E-Learning Plattform GEORG. Hierbei werden für die sinnhafte, digitale berufliche Bildung die Entwicklung menschlicher Kompetenzen vor inhaltsleeren technischen Spielereien gestellt. Somit kann für Sie gewährleistet werden, dass ihre Ausbildungsprozesse auch in Zukunft zielgerichtet sind und Fähigkeiten bei den Auszubildenden entwickelt werden, die einer digitalen Welt gerecht werden. Dies steigert dann nicht nur die Qualität des Lernens bei zukünftigen Mitarbeitern, sondern wappnet Unternehmen auch für veränderte Strukturen und Gegebenheiten. Der Einsatz vielseitiger und neuer Medien beim Lernen 4.0 und in der Weiterbildung muss schon jetzt Einzug in Berufsschulen und Hochschulen halten, um E-Learning in Bildungsstrukturen zu integrieren und digitales Lernen zu verankern.

Bildnachweis: © unsplash.com/jamie-street

Quellen:
https://georg.westermann.de/news/ausbildung-4-0

https://www.youtube.com/watch?v=Ibb5KE6Cl_w
https://blog.birkenbihl-sprachen.com/2014/05/bedeutet-gehirn-gerecht-lernen/
https://www.youtube.com/watch?v=LDBAA0nfP6U
 

Verfasst vom Fachexperten Dr. Jan Ullmann!

Dr. Jan Ullmann ist E-Learning Trainer & Berater aus München. Seine Vision ist es, den Menschen mit seinen individuellen Talenten wieder zum Mittelpunkt der Bildung zu machen. Digitalisierte Medien sind für ihn wunderbare Werkzeuge, um menschliche Fähigkeiten wie Kreativität, Neugierde und kritisches Denken zu wecken. Er unterstützt mit seiner Arbeit öffentliche Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen und Universitäten sowie das Lernen in der Ausbildungs- und Arbeitswelt. Kontakt: www.jan-ullmann.de | www.lernhandwerk.de

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