Wie das Azubi-Recruiting gelingt – Azubis finden und binden

Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass gezielte Azubi-Recruiting-Maßnahmen für Ausbildungsbetriebe eine bedeutende Rolle einnehmen sollten.
Ein Indikator dafür sind die steigenden Zahlen unbesetzter Ausbildungsplätze. Laut dem Berufsbildungsbericht 2019 des Bundesministeriums für Bildung und Forschung blieben 57.000 Ausbildungsplätze im Jahr 2018 unbesetzt. Das ist im Vergleich zum Vorjahr 2017 ein Anstieg von 8.700 Stellen. Gründe dafür sind unter anderem geburtenschwache Jahrgänge und die steigende Anzahl von Studienanfängern. Prognosen dieser Studie zeigen zudem, dass die Zahl der Schulabgänger und somit potenzieller Auszubildender bis zum Jahr 2025 weiter sinken wird. Für Unternehmen bedeutet das, dass das Recruiting von Azubis, den künftigen Fachkräften, in Zukunft eine größere Herausforderung darstellt. 

Mit den passenden Maßnahmen im Azubi-Recruiting kann Ihr Ausbildungsbetrieb dem zukünftigen Fachkräftemängel entgegenwirken. Tipps, wie Sie mehr Bewerbungen erhalten und sich potenzielle Auszubildende für Ihr Unternehmen entscheiden, erfahren Sie im folgenden Beitrag. 
 

Was Ihr Unternehmen im Azubi-Recruiting beachten sollte

Um die Aufgaben im Azubi-Recruiting angehen zu können, sollten Sie vorab folgende Fragen berücksichtigen:
  • Wie schätzen Sie die Bewerbungssituation in Ihrem Unternehmen für das – schon bald – vor der Tür stehende neue Ausbildungsjahr ein? 
  • Haben Sie ausreichend qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber? 
  • Konnten Sie Ihre Ausbildungsplätze schon besetzen? 
  • Haben Sie den Eindruck, die für Ihr Unternehmen passenden Auszubildenden zu gewinnen? 
  • Werden Sie es schaffen, die Auszubildenden nach Unterschrift des Ausbildungsvertrags auch wirklich bei der Stange zu halten? 
  • Wie können Sie Ihr Unternehmen noch attraktiver für potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten machen?
Ein kleiner Hinweis: Beachten Sie für ein erfolgreiches Recruiting aktuelle Trends bei der Stellensuche. Beispielsweise gaben 84,3 Prozent der befragten Azubis an, bei Google nach Ausbildungsstellen zu suchen. Auch die Jobbörse der Agentur für Arbeit zählt bei den Befragten mit 54,3 Prozent zu einer beliebten Anlaufstelle im Internet. Stellen Sie daher Ihre Stellenangebote auf verschiedene Portale, damit Sie sicher von Interessenten gefunden werden.
 

Stellenanzeigen optimieren

Keine Frage, Sie schalten Stellenanzeigen auf den klassischen Online-Stellenportalen und auf Ihrer Unternehmenswebseite. Aber haben Sie bei der Gestaltung der Anzeigen auch daran gedacht, diese für Smartphones und Tablets zu optimieren? Denn die „Digitale Natives“ wollen abgeholt werden, kaum einer der Jugendlichen recherchiert mehr mit einem Notebook oder PC. Und stellen Sie sich auch selbstbewusst als attraktiver Arbeitgeber vor? Legen Sie großen Wert auf Text und Bild Ihrer Anzeigen. Sie sollten weder zu funktional noch anbiedernd sein.

Tipp 1: Unterschätzen Sie nicht die Reichweite und das Potenzial der regionalen Tageszeitungen. Sehr wahrscheinlich erreichen Sie dort zwar nicht die Schülerinnen und Schüler, wohl aber deren Eltern. Und Untersuchungen zeigen, wie groß weiterhin deren Einfluss auf die Berufswahl der jungen Erwachsenen ist. Das sollten Sie nicht unterschätzen.
 

Praktikum ist nicht gleich Praktikum

Attraktive Praktika gelten als einer der Königswege des Azubi-Recruitings. Nehmen Sie daher Kontakt mit den Schulen in Ihrer Region auf. Schulleitungen und Lehrkräfte, die dort die Berufsorientierung koordinieren, werden an Ihren Angeboten interessiert sein. Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, Ihr Unternehmen nicht nur auf regionalen Ausbildungsmessen, sondern auch durch direkte Werbeveranstaltungen in den Schulen vorzustellen?

Tipp 2: Machen Sie Ihre Auszubildenden zu Botschaftern Ihres Unternehmen an den Schulen. Sie können dort den Ausbildungsgang und die Praktikumsmöglichkeiten vorstellen. Ein besseres Empfehlungsmanagement gibt es nicht. Zudem ermöglicht diese Art der Veranstaltungen einen Perspektivenwechsel, die potenziell Interessierten können das Unternehmen aus den Augen des Azubis sehen. 
 

Social Recruiting als Allzweckwaffe bei Azubis?

Social Recruiting ist der neue Trend zur Gewinnung von Auszubildenden. Aber ist es wirklich die neue Geheimwaffe? Klar, YouTube, Instagram, Google Advertising und Co. sind sehr gut dafür geeignet, um das Unternehmen und die Ausbildungsgänge vorzustellen. Auf diese Weise können Sie sich als attraktiver Arbeitgeber präsentieren. Social Recruiting aber dient vor allem der Imagearbeit und dem Aufbau von Beziehungen, es startet einen Dialog und kann die Marke noch bekannter machen. Als Stellenportale eignen sich – auch nach Meinung vieler Jugendlichen – diese Kanäle aber nicht.

Tipp 3: Achten Sie bei der Auswahl der Kanäle darauf, nur solche zu bespielen, in denen Sie Ihre Zielgruppe auch finden. Erkundigen Sie sich im Vorfeld, welche Plattformen bei angehenden Azubis im Trend liegen.
 

Einstiegsqualifizierung nutzen

Wenn Sie einmal nicht genügend Azubis finden können, nutzen Sie das Instrument der Einstiegsqualifizierung. Jugendliche, die bis zum 1. Oktober keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, erhalten so die Möglichkeit, Ihr Unternehmen in einem 6- bis 12-monatigen Praktikum intensiv kennenzulernen.   Eine bessere Gelegenheit, einen Schulabgänger an Ihr Unternehmen zu binden und ihn intensiv kennenzulernen, kann es kaum geben. Weitere Informationen zum Thema der Einstiegsqualifizierung erhalten Sie bei der Agentur für Arbeit.
 

Unterschrieben – und dann

Ihr neuer Azubi hat den Ausbildungsvertrag unterschrieben. So weit, so gut. Doch die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass dies noch keine Gewähr bietet, dass sie oder er die Ausbildung auch bei Ihnen antritt. Rückzieher lassen sich sicher nicht zu 100 Prozent vermeiden, aber Sie können viel tun, um das Risiko zu minimieren. Folgende Maßnahmen haben sich als hilfreich herausgestellt:
  • Wissen, was auf mich zukommt: Zusendung des Ausbildungsplans
  • Fachliche Schnupperangebote: Bieten Sie schon vor Beginn der Ausbildung Zugriff auf ein digitales Ausbildungsportal wie z.B. GEORG : Dies stärkt die emotionale Bindung ans Unternehmen und sorgt für Verbindlichkeit. Besonders praktisch ist es, wenn das Portal auch die Kommunikation mit den angehenden Azubis unterstützt.
  • Das A und O: durchgehend Kontakt halten. Bleiben Sie im Dialog!
  • Aufnehmen in die Unternehmensfamilie: Vermitteln Sie den neuen Azubis, dass sie ab Vertragsunterzeichnung Teil des Unternehmens sind, z. B durch Einladung auf Unternehmens-Events oder einer besonderen Auszubildendenveranstaltung wie „Mein Start bei…“
  • Ängste nehmen: Schaffen Sie Angebote, die Ihren neuen Azubis die Angst vor dem Start in die Ausbildung nehmen, wie z. B.:
    - Zugang zu einem propädeutischen E-Learning-Kurs
    - direkter Kontakt zum Ausbilder
    - installieren Sie Tutoren (Auszubildenden des zweiten oder dritten Ausbildungsjahrs) als Ansprechpartner
     

Zusammenfassung

Achten Sie beim Azubi-Recruiting auf aktuelle Trends und reagieren Sie darauf, damit sie immer ausreichend gute Bewerbungen und Azubis erhalten. Nehmen Sie an Veranstaltungen teil, um persönlich mit potenziellen Auszubildenden in Kontakt zu treten und Ihr Unternehmen zu präsentieren. Sobald Sie einen Vertrag mit einem Azubi abgeschlossen haben, bleiben Sie unbedingt weiter in Kontakt mit ihm und erleichtern Sie ihm den Onboarding-Prozess. Das reduziert das Risiko, dass Auszubildende kurz vor Beginn der Ausbildung absagen. Neben dem Azubi-Recruiting spielt auch das Ausbildungsmarketing eine wichtige Rolle bei der Gewinnung von Auszubildenden. Weitere Informationen finden Sie in unserem Beitrag dazu.
Wenn Sie die aufgeführten Tipps beachten, dann haben Sie gute Chancen, auch morgen noch passende Fachkräfte zu finden!

Bildnachweis: ©stock.adobe.com/Photographee.eu
 

Verfasst vom Fachexperten Jörg Schmidt!

Jörg Schmidt arbeitet seit vielen Jahren in unterschiedlichen Funktionen in Institutionen der Bildungswelt. Schwerpunkt seines Arbeitens sind das (Mit-)Entwickeln von anwendungsbezogenen, handlungsorientierten digitalen Lehr- und Lernmedien sowie die Medienbildung. Als Projektentwickler, Lektor, Programmleiter und  Autor organisiert, unterstützt und begleitet er dabei deren Konzeption, Pflege, Implementierung für namhafte Bildungsinstitutionen und Verlage.

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